Neptune: Ein LTE-Netz in Paris
Méhand Guiddir stieß 2006 als Chief Technical Officer zu Altran. Er ist u.a. verantwortlich für die Koordination innovativer Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung für französische Kompetenzzentren. Er ist Mitglied des Telecom Steering Committee (Telekommunikations-Lenkungsausschuss) des SYSTEM@TIC-Kompetenzzentrums.
Méhand Guiddir hat seinen Abschluss an der Ecole Central Paris gemacht, einer der angesehensten technischen Fachhochschulen Frankreichs, und hat einen Magisterabschluss in Networks & Telecommunications. Seine Laufbahn begann 1984; er hatte bereits Führungspositionen bei verschiedenen weltweit agierenden Telekommunikationsanbietern und -betreibern inne.

Was ist NEPTUNE?
NEPTUNE ist ein LTE-Netz, das derzeit zu Testzwecken im Süden von Paris installiert wird. Dieses Netz bietet schnellen Internetzugang mit 700 MB pro Minute; d.h. ein Film kann in einer Minute herunter geladen werden. Diese Technologie sollte auf dem Massenmarkt in 3 bis 4 Jahren erhältlich sein.
LTEs große Kapazität öffnet den Weg zu neuen Diensten. Liveübertragungen zum Beispiel ermöglichen es, mit mobilen Endgeräten Aufnahmen zu machen und diese sofort weiterzuleiten, ins Netz oder an einen Fernsehsender zu senden. Diese Technologie wird bestehende Dienste revolutionieren. So werden wir beispielsweise in der Lage sein, auf Filme zuzugreifen, die wir zu Hause heruntergeladen haben, so dass unsere Kinder sie auf der Fahrt in den Urlaub anschauen können.
NEPTUNE hat das Ziel, Dienstleistern die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen unter realen Bedingungen zu testen. Sie können nicht nur technische und funktionale Aspekte ihrer Innovation testen, sondern auch ihr Geschäftsmodell. NEPTUNE hat 200 Beta-Nutzer, darunter Studenten, Familien und Fachleute, eingesetzt, die die Anwendungen bewerten. Dienstleister werden von diesem LTE-Netz in mehrfacher Hinsicht profitieren: sei es durch verkürzte Produkteinführungszeiten, Optimierung ihrer Geschäftsmodelle oder Steigerung ihrer Kapitalrendite.
Welche Rolle spielen Sie in diesem Projekt?
An diesem Projekt sind 13 Partner beteiligt, darunter Orange, Alcatel-Lucent und TDF, sowie einige Universitäten, z.B. die „Polytechnique” und HEC Paris.
Altran hat eine doppelte Funktion.
Als erstes ist der Konzern zuständig für das Management des Projekts und stellt zeitnahe Lieferung und effiziente Nutzung der bereitgestellten Ressourcen sicher. NEPTUNE wird von der französischen Regierung finanziert, sobald die Zertifizierungsphase mit SYSTEM@TIC-Kompetenzzentrum beendet ist.
Zum anderen ist Altran direkt für die Vermarktung des Testangebots verantwortlich. Sobald das Netz verfügbar ist, werden Altrans Vertriebsteams Dienstleister unterschiedlicher Branchen ansprechen. Meine Rolle dabei ist die Gesamtleitung des Projekts. Ich koordiniere die Zusammenarbeit mit der französischen Regierung, SYSTEM@TIC und den 12 anderen Partnern.
Bedeutet die, dass das Projekt nur französischen Nutzern zugute kommt?
Nein. Alle Dienstleister können sich beteiligen und den Service testen. Tatsächlich implementieren wir zurzeit ähnliche NEPTUNE-Projekte in anderen Ländern. Tunesien startete 2009 ein NEPTUNE-Projekt, das genauso gestaltet ist wie das französiche Projekt, d.h. mit einer Gruppe von Partnern und staatlicher Unterstützung. Es befindet sich in Sfax und die Partner sind Universitäten, Firmen, Forschungslabore usw. Das Netz sollte 2011 fertig gestellt sein und wir wollen es an unsere Plattform anschließen, so dass wir umfangreichere Tests durchführen können.
China ist ebenfalls interessiert. Während einer Präsentation an der Tongji University haben wir sehr positive Rückmeldungen erhalten. Wir arbeiten nun gemeinsam daran herauszufinden, was wir tun können.
Schweden und Österreich sind die einzigen Länder, die LTE-Netze eingeführt haben und es sieht so aus, als ob die Kapitalrendite auf sich warten lässt. Wie sehen Sie die Zukunft von LTE?
LTE ist ein entscheidender Schritt. Diese Technologie ermöglicht die Idee des ‚Always On – stets online’, von der wir schon jahrelang reden. LTE verschafft uns die mobile Kapazität, die nötig ist, um auf die gleichen Inhalte und Anwendungen zugreifen zu können, die das Internet heute bietet. Natürlich hält diese neue Technologie einige Herausforderungen bereit.
Mobiltelefone bleiben trotz ihrer schlechten Ergonomie sehr teuer. Übertragungsengpässe und Themen wie Netzneutralität gewinnen an Bedeutung. Sicherheit, Datenschutz, Datenmanagement und Eigentumsfragen werden ebenfalls von Interesse sein.
In einem dienstleistungsgesteuerten Markt besteht ein Merkmal neuer Applikationsentwicklung darin, dass sie unterschiedliche Branchen betreffen. Unternehmen müssen lernen, zur Weiterentwicklung des Marktes zusammenzuarbeiten. Das wird seine Zeit brauchen. Alle diese Herausforderungen geben uns jedoch die großartige Gelegenheit, die Welt von morgen zu gestalten. Wir müssen Richtung Zukunft schauen!



