AUTOSAR Entwicklungspartnerschaft: Ein Interview
Altran ist seit Oktober 2009 als „Premium Member“ offizielles Mitglied in der AUTOSAR Entwicklungspartnerschaft. AUTOSAR (AUTomotive Open System ARchitecture) ist ein internationaler Verbund mit dem Ziel, einen offenen Standard für Software-Architekturen in Kraftfahrzeugen zu etablieren. Simon Fürst, Sprecher des Konsortiums bis April 2010, erläutert die Hintergründe von AUTOSAR und welche Rolle Altran hierbei übernimmt.
Herr Fürst, aus welchem Grund wurde das Konsortium gegründet? Welche Ziele verfolgt AUTOSAR?
Kurz gesagt wollen wir als Konsortium einen weltweiten Standard für alle nicht-konkurrierenden Teile des E/E-Systems (Elektrik/ Elektronik) eines Autos schaffen, mit dem alle an der Entwicklung beteiligten Parteien die zunehmend wachsende Komplexität des E/E-Systems handhaben können.
Wie verläuft die Zusammenarbeit zwischen den – eigentlich konkurrierenden – Unternehmen des Konsortiums?
Von Beginn der Partnerschaft an lag der Fokus von AUTOSAR klar auf nicht-konkurrierenden Funktionaliäten, und solche, die nicht im Zusammenhang mit dem Kunden stehen. Deshalb lautet der Slogan von AUTOSAR auch "Zusammenarbeit bei Standards, Wettbewerb bei der Umsetzung". Ein gemeinsamer Standard in diesem Bereich stärkt das Gesamtökosystem für alle beteiligten Unternehmen.
Was sind aus Ihrer Sicht die größten bisher erreichten Erfolge der AUTOSAR Partnerschaft?
AUTOSAR ist derzeit die bei weitem größte und weltweit renommierteste Entwicklungspartnerschaft in der Automobilbranche. Dass so viele Unternehmen aus der ganzen Welt zusammengebracht werden konnten, um ein gemeinsames E/E-System und einen Softwarestandard zu entwickeln, beschreibt ganz klar die Erfolgsgeschichte von AUTOSAR.
Wie sieht die Rolle von Beratungsunternehmen wie Altran innerhalb dieses Konsortiums aus?
Die Rolle aller Mitglieder wird über die Art der Mitgliedschaft definiert. Für „Premium Member“ wie Altran bietet AUTOSAR die Möglichkeit, sich aktiv an der Entwicklung in jedem Bereich des Standards zu beteiligen, in dem das Unternehmen hohe Kompetenzen aufweist und an dem es ein starkes Interesse hat.
Welche Themen stehen aktuell auf der Agenda und welche Themen sehen sie als zukunftsweisend für den AUTOSAR Standard?
Es gibt drei Hauptarbeitsbereiche in der aktuellen Phase III von AUTOSAR: 1. Die Wartung bestehender Releases, um die Implementierung für alle Mitglieder von AUTOSAR bestmöglich zu unterstützen 2. Die Sicherstellung einer effizienten und langfristigen Wartungsfreundlichkeit des AUTOSAR-Standards 3. Die weitere Entwicklung hin zu einem Release 4.1, das für Ende 2012 geplant ist, indem wir auf Grundlage der Marktbedürfnisse ausgewählte Erweiterungen der Standards zur Verfügung stellen werden
Nach sechsjähriger gemeinsamer Spezifikationsarbeit sind einige OEMs und Supplier derzeit mit praktischen Umsetzung von AUTOSAR beschäftigt. Wie sehen sie als Sprecher des AUTOSAR Konsortiums die aktuell laufende Praxiseinführung?
Die ersten Autos, die AUTOSAR-Funktionalitäten in ihren Steuergeräten haben, befinden sich bereits auf der Straße. Derzeit stellen alle wichtigen OEMs und Supplier aktiv auf AUTOSAR um. Ich freue mich zu sehen, dass trotz der Anwendung verschiedenster Umsetzungsszenarien, die Migration insgesamt in allen Bereichen des Standards und in allen funktionellen Gebieten der Autos stattfindet.
Die aktuelle Entwicklungsphase läuft noch bis Ende 2012. Gibt es von Seiten des Konsortiums bereits Vorstellungen, wie die Entwicklung des AUTOSAR Standards anschließend weitergehen soll?
Aktuell haben die „Core Partner“ von AUTOSAR damit begonnen, die Ziele für eine Organisation von AUTOSAR nach der Phase III zu definieren. Dieser Prozess befindet sich noch im Anfangsstadium und es wurden bisher noch keine Entscheidungen getroffen. Wenn man sich andere Standards in der Automobilbranche ansieht, kann man einen Blick auf mögliche Optionen werfen. |